Archive für Kategorie: Philosophie / Philosophy

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Es ist mal wieder soweit: Kaum nähert sich der Winter seinem Ende, sehen sich Magazine und Experten bemüssigt, uns die neuen Gartentrends zu unterbreiten. Mich befällt schon ein leichtes Zittern, wenn ich die Ankündigung auf der Titelseite lese. Viel lieber würde ich auf diesen Seiten etwas wirklich Spannendes lesen, z.B. wie man den rosenfürchtigen Gatten eines Besseren belehrt oder die Nachbarskatzen davon abhält, die putzigen Rotkehlchen im fremden Garten (oder überhaupt!) zu meucheln, oder wie Menschen mit Gräsergärten reagieren, wenn die Stunde der Miscanthus-Teilung naht. Aber nein, ich werde bombardiert mit finsteren Prognosen: Corten-Stahl ist nun out, bei Erwähnung des Wortes ‚Allium‘ rümpfen Gartenfashionistas künftig die Nase, Buchsbälle sind so was von ‚out‘, das gibt’s gar nicht, und wurzelnackte, kleine Bäume pflanzen nur noch irgendwelche Hinterwäldler, denn ‚in‘ sind ausgewachsene Bäume. Letztes Jahr, ihr mögt euch vielleicht erinnern, hiess man uns, Tausende von Alliums zu pflanzen, Corten-Stahl-Wände bis zum Umfallen zu integrieren und trotz Zünsler lustig weiter Buchs zu pflanzen. Bitte nun nicht wütend auf den austreibenden Alliumzwiebeln herumtrappeln oder gar die Stahlwand auf den Sperrmüll werfen. Auch wenn ihr treu dem Trend folgt, wäre dies überstürzt, denn ganz sicher kehren die nun Verschmähten irgendwann wieder zurück. Dann könnt ihr eure Cortendeko wieder vorziehen. 😉 Ich bin kein Freund von Modetrends egal welcher Art, und vor allem bin ich kein Freund der um sich greifenden Globalisierung, die auch vor unseren Gärten nicht halt macht. Ich bin gegen Modediktat und für mehr Individualität. Ein gruseliger Schauer befällt mich auch, wenn irgendwelche Pflanzen zur ‚Pflanze des Jahres‘ gekürt werden. Das ist fast so widerlich wie die Miss-Wahlen. Was ist eure Meinung? Lest ihr diese Trends mit Interesse? Nehmen sie Einfluss auf eure Gartengestaltung? Wenn ja, wie geht ihr damit um, wenn alles ständig über den Haufen geworfen wird? Wie gestaltet ihr eure Gärten? Lasst uns ein wenig diskutieren – ich freue mich drauf!

It’s that time of year again when certain magazines and experts feel the urge to tell us about the new gardening trends. I already get the creeps when I see the headline on the cover. I’d so much more see the space dedicated to something really fascinating, like how to help husbands overcome their unnecessary fear of roses, or how to stop the neighbour’s cats from murdering my dear little robins, or how people with grass gardens cope with reality when the time has come to finally divide the Miscanthus. But no way, instead I get bombarded by sinister predictions: Corten steel is from now on ‚out‘, from tomorrow on garden fashionistas will turn up their noses at the pure mention of the word ‚Allium‘, box balls are even worse than ‚out‘, and bare rooted, small trees will only be planted by some sad hillbilly because now it’s hip to plant mature specimen. Last year, you may recall, they told us to plant thousands of Allium, integrate Corten into every nook and cranny and to keep planting box balls in spite of the loathsome pyralids. But easy, easy, please don’t trample the emerging alliums or throw the Corten on the skip! Even if you follow trends faithfully, it’d be too hurried and most certainly those who now are being despised will celebrate their comeback before too long. Then you can pull the Corten steel out again. 😉 I’m not a friend of fashion trends and certainly not of the ever spreading globalisation that doesn’t stop at our garden gate. I’m against fashion dictate and for more individuality. I also get the creeps when some plants are elected ‚plant of the year‘. That’s almost as dreadful as a beauty contest. What do you think? Are you interested in gardening trends? Do they influence your design? If so, how do you cope with constantly changing trends? How do you proceed when planning your garden? Let us discuss a bit – I’m looking forward to it!

 

Das Jahr nähert sich dem Ende. Und was für ein Jahr es war! Voller Arbeit, Erfolgsmomente, Höhenflüge und Spannung, aber auch Talfahrten und Momenten der Trauer. Einige graue Wolken am Firmament meiner Gesundheit nehmen mir derzeit den üblichen Schwung und die Energie, die mein Leben stets kennzeichnen, aber auch das wird wieder werden. Es gibt für alles seine Zeit, und nun ist eben die Zeit der Stille und Einkehr. Eine wohlige Ruhe hat sich über unser Tal gelegt, gleich einem samtenen, warmen Mantel.  Warme Mäntel brauchen wir selbst allerdings nicht, denn es ist so warm und sonnig. Die Mittelmeer-Wolfsmilch reckt schon ungeduldig den Hals! Während die Welt im Chaos versinkt, tut es gut, wenn man sich in Garten und Natur erden kann. Beides trägt nicht unwesentlich zum Erhalt meiner geistigen (und körperlichen!) Gesundheit bei. Was wünsche ich uns also für das neue Jahr und die Zukunft? Auf jeden Fall Gesundheit und weiterhin viel Freude beim Gärtnern, Glücksmomente und Zufriedenheit. Aber auch einen klaren Blick, Offenheit, Grosszügigkeit und weniger Grenzen, vor allem im Kopf. Eine Welt, die alle Wesen wertschätzt, nicht nur einige Privilegierte, sondern auch jene am Abgrund, und die Tiere und Pflanzen, mit denen wir uns diesen wundersamen Planeten teilen, und die so oft keine Beachtung finden, denn der Mensch ist ja das ‚höchste‘ aller Wesen, die Krönung, die sich alles untertan machen darf. Ha-ha sagte der Clown. Ich wünsche mir mehr Bildung für alle, denn so lange Menschen glauben, dass 10 Jungfrauen auf sie warten, wenn sie sich und andere in den Tod reissen, oder dass sie nach ihrem Tod auf den Knien eines reizenden, bärtigen Mannes über den Wolken sitzen werden (oder in der Hölle schmoren), oder dass Elfenbein und Nashörner uns potenter machen, so lange werden wir nie Frieden finden. Ich wünsche mir eine Abkehr vom Wachstumswahn, denn weder Bevölkerung noch Wirtschaft können stetig weiterwachsen. Und wenn sie es tun, schaufeln wir eben unser Grab entsprechend schneller. Während unsere Staatsführer in den besten Etablissements Champagner schlürfen, Kaviar essen -das alles natürlich nachdem sie mit ihrer Entourage entsprechende Airmiles zurückgelegt haben- und beschliessen, dass die Erdtemperatur in den nächsten Jahren nicht mehr als 1,5°C steigen darf, lacht sich Mutter Natur ob dieser Hybris kaputt. Was die Mehrheit der Menschen noch nicht begriffen hat und wahrscheinlich nie wird, ist die Tatsache, dass die Natur und unser Planet sehr wohl ohne uns zurecht kommen, wir aber nicht ohne sie. Das Bevölkerungswachstum  nimmt erschreckende Dimensionen an. Immer mehr Natur muss weichen, um einer ständig wachsenden Bevölkerung Platz zu schaffen. In 1950 lebten 2.53 Milliarden auf der Erde, heute sind es 7.32. Aber: Die Erde trägt keinen Gummizug, der sich endlos dehnen lässt. Unberührte Natur gibt es ohnehin nicht mehr viel, und was einmal zerstört ist, ist verloren. Bei all dem Gefasel auf Klimakonferenzen etc. wird jedoch nie dieses Thema angesprochen: Es ist das grösste und wohl verhängnisvollste Tabu unserer Zeit. In China gibt es Menschen, die noch nie die Sonne gesehen haben. Obstbäume müssen von Hand bestäubt werden. Wir drehen mit unserer Gier dem Planeten, der uns so grosszügig aufgenommen und ernährt hat, die Luft ab. Ich wünsche mir, dass wir rechtzeitig zur Besinnung kommen. Bin ich eine Träumerin? Der Mensch ist in der Lage, so viel Schönes zu schaffen. Ich wünsche mir mehr davon. Profitgier ist kurzsichtig. Was nützt uns all unser Geld, wenn wir kein lebenswertes Dasein mehr führen dürfen? Das Summen der Bienen im Obstgarten an einem sonnigen Frühlingstag, Schwalben auf waghalsigen Schwingen, ein Meer von Orchideen in einem lichtdurchfluteten Wald, ein Luchs, der verschwiegen seiner Wege geht. Welchen Wert haben sie für uns? Wir haben eine Verantwortung. Ob wir uns auf sie besinnen werden? Das wünsche ich mir von Herzen.  Euch allen frohe Festtage, vielen Dank für eure Gesellschaft und all die interessanten, ermutigenden Kommentare über’s Jahr – schön, dass es euch gibt 🙂

Lesetipps zum Thema: Dark Mountain Project & „Das sechste Sterben: Wie der Mensch Naturgeschichte schreibt“ von Elizabeth Kolbert

Aber es ist nicht alles düster – denkt daran, es liegt in unserer Hand, etwas zu ändern! Voilà noch ein paar frostige Bilder, eingefangen früh am Morgen, ehe die Sonne dem Zauber ein Ende machte…wir sehen uns im neuen Jahr!

The year is coming to an end. And what a year it was! Full of work, success, highs and excitement, but also lows and moments of sadness. A couple of grey clouds have cast a shadow over the horizon of my health and have dampened my usual energy and sparkle but this will come back. There’s a time for everything, and now it’s the time for quiet and reflection. A pleasant silence has settled over our valley like a warm, velvety coat. As for ourselves, we’re far from needing a warm coat as it has been so warm and sunny for such a long time. Mediterranean spurge is already impatiently craning its neck! While the world is threatening to drown in chaos, it feels good to root oneself in garden and nature, both contributing greatly to my sanity. So what do I wish for? I wish us health and fun in the garden, moments of happiness and satisfaction. But also a clear head, an open mind, generosity and fewer frontiers not forgetting those in our heads. A world that cherishes all creatures not only some privileged and chosen ones but those living at the edge of the abyss as well as the animals and plants with whom we share this awesome planet and who don’t get the attention they deserve with man considering himself the summit of creation subduing the world. Ha-ha said the clown. I wish for better education for all, because as long as people believe they’ll be rewarded with 10 virgins when they kill themselves along with others or believe that after they’re dead they’ll be sitting on the knees of a nice, bearded, old  man above the clouds (or roast in hell), or believe that elephant tusk and rhino horn will make us more potent, we shall never find peace. I wish we’d stop the mad craving for growth – neither population nor economy can continue to grow…and if they do, guess we just dig our grave that little bit faster. While our ‚leaders‘ sip champagne and eat caviar in the best restaurants -all of course after putting lots of airmiles behind them- and decide that the earth temperature is not allowed to rise more than 1,5°C, Mother Nature must be rolling on the ground with laughter given such hybris. What mankind didn’t grasp up to now and probably never will is the fact that nature and our planet can cope very well without us (much better too) but we can’t without them. Population is growing at a frightening rate. In 1950 there were 2.53 billion people living on this planet, now, after only 65 years, we’re 7.32 billion. But: The earth is not elastic and we can’t stretch it to our liking. There’s hardly any pristine nature left and once destroyed it’ll be lost forever. During all the climate conferences and other political meetings, nobody ever addresses this issue: It’s the biggest and most fatal taboo of our time. In China lots of people have never seen the sun. Fruit trees have to be pollinated by hand. In the pursuit of our greed we slowly choke this planet that has received us and feeds us so generously to death. I wish we’d come to our senses. Am I a dreamer? Man can create such beauty. I wish we’d see more of it. Greed is short-sighted. What good is all the money in the world if we don’t enjoy a life worth living? What prize do you put on the humming of the bees in an orchard on a sunny spring day, seeing swallows dive through the sky, a sea of orchids in a woodland bathed in soft light, spotting a lynx discreetly wandering by? We all have a responsability. Will we recollect this? I wish. Merry christmas to all of you and thanks for keeping me company through the year and for leaving such interesting and nice comments  🙂

Dig in: Dark Mountain Project & „The sixth extinction: An unnatural history“ by Elizabeth Kolbert

But it’s not all gloomy – remember change lies in our hands! Voilà a couple of frosty pics which I took this November, very early in the morning before the sun put an end to the magic…see you again in the new year!

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A few months ago I came across a sentence in a book suggesting that the majority of humanity loves nature. A while after that I followed a discussion about how parks should be layed out to be inviting and attractive. Here, the majority clearly favoured a completely artificial design that would make most birds and insects want to make a 180 (flee!)…and me too by the way! These two things got me thinking. So what is nature? I googled the official definitions which say more or less the same thing. I agree with the idea of nature being a self-regulating system. Comfort to know that whatever mankind will throw at Mother Nature, she’ll be the one to shake us off some day and get on with it. But there’s more to nature than the widely acknowledged definitions. People all over the world experience nature in many different ways. Your relationship with nature is hugely affected by your individual upbringing and environment. Are people surrounded by pure and pristine nature more appreciative? Do they care more? Or do they take it for granted, thinking there’s enough and why should they worry? Or has the protection of nature turned into a luxury only rich Western countries can afford? Tricky. There’s both: the guys hacking down acre after acre of rainforest, not thinking of the consequences, just of a quick way to fill the pockets. Then there are those that are being raised with a deep love and respect for nature, realizing the need to protect it. Is it a question of education? Do better educated people have a better understanding of the need to look after the environment? Think of indigenous people – we probably wouldn’t consider them as highly educated but they’re not the ones who destroy nature. They live much closer to nature and share a respectful approach. Greed and growth are not part of their vocabulary. Will education lead to our downfall? A lot of people are born in big cities. Depending on their circumstances they might never get out and experience nature. They might even develop a fear of it. Our idea of nature encompasses not only the dictionary definition but the way we are able or not able to experience nature. When you’re at risk of being eaten by a lion while bending down to inspect a wildflower, will this influence your perception? In Europe you can sit down and enjoy your picnic in a bluebell wood without worrying about a python sneaking up on you. Can we thus be more carefree in our enjoyment of nature? Quite often too people have funny ideas about nature. They’d say ‚let’s go for a nature walk‘ when they mean to walk through a man-made landscape which has very little to do with nature. Be honest – how much true nature do you encounter on your daily walk? True nature becomes more and more scarce. The sick and constant craving for growth is the cause for the rapid disappearance of pristine, natural landscapes. In a while they may be just a faint memory. How do you define nature? And why is it that although most of us love nature (or think we do), we want so little of it in our public spaces? Have a look at these images – do you see nature or not?

Vor einigen Monaten stiess ich in einem Buch auf den Satz, dass die Mehrheit der Menschen die Natur liebt. Kurz darauf folgte ich einer Diskussion darüber,  wie Parkanlagen konzipiert werden müssen, damit sie einladend und attraktiv sind. Hier befürwortete die Mehrheit komplett künstliche Designs, bei denen die meisten Insekten und Vögel sofort umdrehen und fliehen…und ich übrigens auch. Seither denke ich darüber nach. Was ist denn nun Natur? Ich googelte die offiziellen Definitionen, die mehr oder weniger dasselbe sagten. Ich stimme zu, die Natur ist ein selbstregulierendes System. Ein Trost, wenn man weiss, dass egal, was wir Mutter Natur antun, sie uns eines Tages abschüttelt und einfach weitermacht. Aber da gibt es noch mehr als die offiziellen Definitionen. Überall auf der Welt erleben Menschen die Natur auf verschiedene Weise. Die Beziehung zur Natur wird stark von Erziehung und Umfeld beeinflusst. Hegen Menschen in unberührter Natur eine grössere Wertschätzung für diese? Engagieren sie sich mehr für ihren Schutz? Oder nehmen sie es als selbstverständlich und meinen, es gibt genug, warum sollte man es schützen? Oder ist Naturschutz ein Luxus, den sich nur reiche Industrieländer leisten können? Verzwickt. Man trifft beides: solche, die sorglos den Regenwald abholzen, ohne an die Konsequenzen zu denken, und jene, die mit Liebe und Respekt für die Natur aufwachsen und erkennen, wie wichtig es ist, sie zu schützen. Ist es eine Frage der Bildung? Haben Menschen mit mehr Bildung ein besseres Verständnis? Nehmt die Urvölker – wir betrachten sie wahrscheinlich nicht als besonders gebildet, aber nicht sie zerstören die Natur. Sie leben im Einklang mit ihr und behandeln sie mit Respekt. Gier und Wachstumsdenken sind Fremdwörter. Ist Bildung unser Untergang? Viele Menschen werden heute in Grossstädten geboren. Manche verlassen sie unter Umständen nie und entwickeln vielleicht gar eine Furcht vor der Natur. Unsere Vorstellung von Natur umfasst nicht nur die offizielle Definition, sondern auch die Weise, in der wir Natur erleben oder nicht erleben. Wenn du Gefahr läufst, von einem Löwen gefressen zu werden, wenn du dich über eine Wildblume beugst, wird das deine Wahrnehmung beeinflussen? In Europa kann man in der Narzissenwiese sein Picknick geniessen, ohne sich Sorgen um eine Python zu machen. Sind wir deshalb sorgloser in unserem Naturerlebnis? Oft haben Leute auch lustige Vorstellungen von Natur. Sie sagen, lass uns einen Spaziergang in der Natur machen, wenn sie von menschgemachten Landschaften sprechen. Hand aufs Herz – wie viel Natur umgibt dich auf deinem täglichen Spaziergang? Wahre, unberührte Natur wird immer seltener. Das krankhafte, konstante Streben nach Wachstum ist der Grund für das Schwinden wunderschöner Naturlandschaften. Bald werden diese vielleicht nurmehr eine schwache Erinnerung sein. Wie definierst du ‚Natur‘? Und warum wollen wir, die wir die Natur lieben (oder es zumindest glauben), so wenig davon im öffentlichen Raum sehen? Schau dir diese Fotos an – Natur, ja oder nein?

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„Ach du meine Güte, was ist denn mit deiner prächtigen „Paul’s Himalayan Musk“ passiert?“, fragte ich meine Freundin Claudine entsetzt. Sie hatte mich zum Kaffee eingeladen, und zuvor drehten wir wie immer eine Runde in ihrem Garten. Aber nein, es war nicht nur dieser Rambler, auch die bezaubernde Clematis montana und der Sternjasmin sahen aus, als hätte ihnen ein Orkan übel zugesetzt. Aber welcher Orkan? Ich wohne schliesslich nicht weit von ihr. Meine Freundin verdrehte gequält die Augen in Richtung Gatte Roland, der gerade die Buchskugeln frisierte und uns fröhlich zuwinkte. „Das verzeihe ich ihm nie!“ sagte sie im Brustton der Überzeugung. Sie war beruflich unterwegs und strich nach ihrer Heimkehr abends mit einem Glas Wein durch den Garten, um sich zu entspannen. Roland hatte ihr zur Begrüssung mitgeteilt, er habe -in ihrer Abwesenheit- wie ein Wilder im Garten geschuftet, um der Wildnis Herr zu werden. Naja, nur ein Schwächeanfall ihrerseits habe Schlimmeres verhindert… Während ich meinen Kaffee trank, ihr Mut zusprach und Trost spendete, lächelte ich innerlich ein wenig selbstgefällig, denn sicher konnte mir so etwas nicht passieren, oder? Vor einigen Tagen ging ich harmlos in die Stadt, um Einkäufe zu erledigen. Monsieur hatte die Aufgabe, den wilden Wein hinter dem Haus zu beschneiden. Nur das, nichts sonst. Als ich ebenso ahnungslos heimkehrte, stellte sich heraus, dass er die nächsten beiden Hausecken auch noch umrundet hatte, um meiner geliebten Brenda Colvin und dem Geissblatt zuleibe zu rücken. Ich fühlte förmlich, wie die Haare auf meinen Zähnen wuchsen! Unglaublich, wie viel Schaden Mann in kurzer Zeit anrichten kann. Das Geissblatt kann ich noch verschmerzen, aber Brenda sah aus wie nach einer Begegnung mit Jack the Ripper. Männer und Frauen unterscheiden sich. Das ist uns allen klar. Abgesehen von den offensichtlichen Merkmalen, gibt es jedoch unterschwellige Strömungen, die ab und zu hervorbrechen und Verwüstung anrichten. Während ich als romantischer Freigeist liebliche Rosenranken begrüsse und verzückt die Katzenminze bestaune, die die Treppe belagert und das Durchkommen erschwert, klagt mein Göttergatte über Cornea-Verletzungen und verheddert sich auf der Suche nach seiner Machete in der Waldrebe. Warum können Männer über verkratzte Arme nicht so grosszügig hinwegblicken wie Frauen? Ich bin nämlich kein Einzelfall! Solche Geschichten höre ich immer wieder. Ist es der maskuline Wunsch, alles zu bezähmen? Früher legte man sich ein Löwenfell vor’s Bett, heute bändigt man in Abwesenheit der Liebsten (bei der die Bändigung eh versagt hat) die Kletterrose. Die Manie, im Garten alles zu beschneiden, ist der krasseste Unterschied zwischen Mann und Frau. Das unterschreibe ich hier und jetzt und schwöre, dass ich nächstes Mal den Geräteschuppen abschliesse, wenn ich weg muss! Nun bin ich gespannt auf eure Erfahrungsberichte…   😉

„Oh dear, what has happened to your gorgeous „Paul’s Himalayan Musk“?“ I asked my friend Claudine in horror. She had invited me over for coffee and as usual, we went for a ramble in her garden. But no, it was not only the rambler, the beautiful Clematis montana and Trachelospermum also looked as if a hurricane had passed over them. But which hurricane? I don’t live far from her. My friend rolled her eyes in the direction of husband Roland who was in the process of clipping the box balls, waving cheerfully when he noticed us . „I shall never forgive him!“ said Claudine with utter conviction. She had been away on business and -on her return- went for a leisurely stroll through the garden, glass of wine in her hand. Roland had told her something like „been working all day in the garden like a lunatic…got in control of the wilderness“. Well, it was only a sudden feeling of faintness (on her side!) that prevented disaster…While I sipped my coffee and tried my best to comfort her, I smiled inwardly and rather smuggly, I admit, to myself, because this certainly could never happen to me, or could it? A few days ago I went innocently to town to do some shopping. Monsieur stayed at home and was supposed to cut back the Virginia creeper at the back of the house. Just that, nothing else. When I came back as innocently as I had left, it turned out that he chose to wander around the house and clip a few other bits as well „while I was at it“. Poor Brenda Colvin and a honeysuckle were in his path and believe me, I felt the hairs growing on my teeth! Unbelievable how much damage a man can do in such a short time. I can sort of cope with the honeysuckle but Brenda definitely looks like she met Jack the Ripper. Men and women are different. We all know that. But apart from the obvious there are also subliminal currents that sometimes brake out causing havoc. While I as a romantic free spirit embrace sweet rose boughs and think catmint looks rather ravishing draped on our steps, my darling husband complains about cornea injuries and gets entangled in the clematis during his search for a machete. Why can’t men tolerate scratches on their arms as generously as we do? Believe me, I’m not the only one. Women constantly tell me about it. Is it the male wish to subdue and control? Our ancestors put lion skins in front of their beds, nowadays you just tame the climbing rose while your beloved wife (who could never be tamed successfully anyway) is gone. Is that it? The obsession to hack everything in the garden back is undeniably the most blatant difference between man and woman. I sign this here and now and swear that I shall lock the tool shed before I go away again!  Now I’m looking forward to your own experiences… 😉

IMG_2935„There is a garden in every childhood…“, wrote the Portugese poet Fernando Pessoa at the beginning of the last century. Sadly, this is no longer true. We had a garden, albeit a small one, and for a while my mother took on two allotments quite a distance away. My younger brother and I would trot along with mum pulling a handcart carrying tools, a small picnic and -most important of all- our harvest on the way home. Mum was a young girl during the war and had been sent with her sisters to work on a farm to support the family. This experience of deprivation never quite left her. Growing food was a necessity. Flowers were less important but allowed to mingle with the fruit and veg. My father died when I was small and before work on our garden started. He had just finished the renovation of our home. Being with mum was a treat and we clung to her through fear of losing her as well. We would chatter happily  and were probably more of a hindrance to her gardening aspirations but as we grew older, we helped picking apples, currants, raspberries and gooseberries which we hated for their thorns. To be honest, gardening was more of a chore than a pleasure for us then but it helped to connect us with our food, be it from the garden or meat which came from home slaughtering in our village. Food miles, what’s that? Those were the days without gameboys and mobile phones, and I feel grateful and privileged for being a kid way back then. Those were the days when you’d still speak to each other…and listen. We would spend all day in the garden or in the woods building huts, playing Tarzan – such bliss, such freedom! We were always late for dinner, often coming back with bruises and torn, dirty trousers. We were happy and so tired that we fell asleep before our heads touched the cushion. Mum drew our attention to nature and knew a plant for nearly every ailment. She firmly believed in the power of herbs, even more so when she developed cancer which all the herbs in the world couldn’t cure. She had to give up her two allotments and the garden at our home became the focus. There were fruit trees – I especially remember a cherry tree which used to be laden every year. We’d climb into it and ate until our bellies hurt. There was a swing too that used to carry us straight into heaven. That’s how we felt about it at the time as everything seems so big and awesome when you’re small. In summer mum would fill an old zinc bathtub with water. Splish, splash – our private pool, kid’s heaven! Friends came and it sometimes got a bit crowded, loud and rough in the tub. There were frogs, birds, slowworms. We’d suck the sweet juice out of the flowers of the dead nettles like delicious nectar… I wonder how it is now as our planet is getting more crowded by the day. What is it like to grow up without nature, never mind a garden? It seems rather sad. How are children supposed to connect with the natural world and learn to respect it? I think this is when schools should come in. The UK are far ahead of us with their promotion of school gardening. Why not dig over the football pitch and make a garden? Get rid of some useless school subject (and believe me there are far too many) and get the kids to sow and enjoy the wonders of gardening? When I was small nobody would have thought that I’d turn into the passionate gardener I am today but I’d like to think my parents would be very happy with the outcome. Although I’m not a relgious person, I somehow feel they watch me with a smile. Is there also a garden in your childhood?

„In der Kindheit eines jeden gibt es einen Garten…“, schrieb der portugiesische Dichter Fernando Pessoa zu Beginn des letzten Jahrhunderts. Leider trifft das nicht mehr zu. Wir hatten einen kleinen Garten, und eine Zeitlang betreute meine Mutter zusätzlich zwei Schrebergärten, die weiter weg lagen. Mein kleiner Bruder und ich zottelten mit dem Leiterwagen hinter Mama her. Darin lagen Werkzeuge, ein Picknick und -sehr wichtig!- auf dem Heimweg unsere Tagesernte. Mama war ein junges Mädchen während des Krieges und wurde mit ihren Schwestern zum Arbeiten auf einen Bauernhof geschickt. Diese Erfahrung der Entbehrung und des Verlustes konnte sie nie ganz abstreifen. Der Anbau von Obst und Gemüse war eine Notwendigkeit. Blumen waren weniger wichtig, durften sich aber in den Beeten tummeln. Mein Vater starb, als ich klein war und bevor die Anlage des Gartens in Angriff genommen wurde. Er hatte gerade die Renovierung des Hauses abgeschlossen. Die Gesellschaft unserer Mutter war uns lieb und teuer, und wir klammerten uns an sie, vor lauter Angst, sie auch noch zu verlieren. Wir plapperten fröhlich vor uns hin und waren wahrscheinlich mehr ein Hindernis in ihrem gärtnerischen Streben, aber als wir älter wurden, halfen wir bei der Ernte von Äpfeln, Johannisbeeren, Himbeeren und Stachelbeeren, die wir wegen ihrer Stacheln hassten. Um ehrlich zu sein, war Gartenarbeit für uns Kinder mehr Plage als Vergnügen, aber es half uns, eine Verbindung zu unserem Essen herzustellen, ob es nun aus dem Garten kam oder Fleisch betraf, welches wir bei Hausschlachtungen im Dorf kauften. Das waren die Tage ohne Gameboy und Mobiltelefon, und ich bin dankbar, damals ein Kind gewesen zu sein. In diesen Tagen sprach man miteinander…und hörte zu. Wir waren den ganzen Tag im Garten oder Wald, bauten Hütten, spielten Tarzan – welche Wonne, welche Freiheit! Zum Abendessen kamen wir meist zu spät, oft mit Beulen, Kratzern und schmutzigen, zerissenen Hosen. Wir waren glücklich und so müde, dass wir schon schliefen, ehe unser Kopf das Kissen berührte. Mama lenkte unsere Aufmerksamkeit auf die Natur und kannte für nahezu jedes Leiden eine Pflanze. Sie glaubte an die Kraft der Kräuter, vor allem, als sie Krebs bekam, den alle Kräuter in der Welt nicht heilen konnten. Sie musste ihre Schrebergärten aufgeben, und unser Garten am Haus rückte in den Mittelpunkt. Es gab Obstbäume – ich erinnere mich vor allem an einen Kirschbaum, der jedes Jahr voll hing. Wir kletterten in den Baum und schlugen uns die Bäuche voll, bis sie weh taten. Es gab auch eine Schaukel, die uns direkt in den Himmel trug. So empfanden wir es damals, denn alles wirkt riesig und ehrfurchtgebietend, wenn man klein ist. Im Sommer füllte Mama eine alte Zinkbadewanne mit Wasser. Plitsch-platsch – unser privater Pool, Kinderhimmel! Freunde kamen und manchmal wurde es etwas voll in der Wanne und ging entsprechend rau und laut zu. Es gab Frösche, Vögel, Blindschleichen. Wir saugten den süssen Saft aus den Blüten der Taubnesseln wie köstlichen Nektar… Ich frage mich, wie es nun ist, da unser Planet täglich voller, der Platz weniger wird. Wie ist es, wenn man ohne Natur, geschweige denn einen Garten, aufwächst? Eine traurige Vorstellung. Wie sollen Kinder eine Beziehung zur Natur aufbauen und lernen, diese zu respektieren? Ich finde, hier spielen Schulen eine wichtige Rolle. England ist uns mit seinen Schulgartenprojekten weit voraus. Warum nicht den Fussballplatz umgraben und einen Garten anlegen? Ein paar nutzlose Schulfächer abschaffen (derer gibt es viele) und den Kindern die Freuden und Wunder des Gärtnerns nahe bringen? Als ich klein war, konnte keiner ahnen, dass ich zu der passionierten Gärtnerin werden würde, die ich heute bin, aber ich glaube, meine Eltern wären mit dem Ergebnis zufrieden. Ich bin zwar nicht religiös, aber irgendwie fühle ich, dass sie mich mit einem Lächeln beobachten. Gibt es in deiner Kindheit auch einen Garten?

Languedoc

Jedes Jahr stattet mich mein liebstes Gartenmagazin mit einer Liste von „must have“ Pflanzen aus. Das Einzige, was mich mit dieser grosszügigen Geste versöhnt, ist die Tatsache, dass diese meist von einem echten Pflanzenkenner -dieses Jahr Dan Pearson, den ich sehr schätze- zusammengestellt wird. Die Frage ist: Möchte ich eine Liste haben, die mir sagt, welche Pflanzen ich zu kaufen habe? Ist es nicht totlangweilig, wenn man überall auf das gleiche Grünzeug trifft? Bereits jetzt stösst man in Gärten immer wieder auf alte Bekannte – wahrscheinlich gerade weil Gärtner glauben, sie unbedingt haben zu müssen. (Das heisst nicht, dass es nicht wichtig ist, gute Pflanzen zu erwähnen und vorzustellen!) Dasselbe trifft auf Gartenstile zu: Magazine sagen uns, was angesagt und cool ist. Übrigens auch Wohnmagazine, die uns seit Jahren vorgaukeln, unser Zuhause müsste einem sterilen, WEISSEN OP ähneln…aber das ist ein anderes Thema. Denkt an all die Japangärten, die gleich Champignons aus dem Boden schossen und sich nun unbehaglich in euopäischen Vorgärten winden. Später liessen die Leute den besten Mutterboden tonnenweise abtransportieren, um den Boden abzumagern und tonnenweise Kies ankarren zu lassen, weil sie einen Kiesgarten haben wollten. Nachhaltigkeit – was ist das? Jetzt heisst’s Piet Oudolf landauf, landab. Versteht mich nicht falsch – ich mag Piets Pflanzstil, aber möchte ich ihn wirklich in jedem Garten des Planeten kopiert sehen? Er ist in einem mongolischen Innenhof oder auf Hawaii vielleicht etwas fehl am Platz. Meine Antwort ist nein. Ich liebe individuelle, innovate Konzepte, fürchte jedoch, Individualität ist vom Austerben bedroht. Ich frage mich, ist es überhaupt möglich, einen persönlichen Stil zu entwickeln, wenn man ständig einer Flut von „tun und haben müssen“ ausgesetzt ist? Wie findet man heraus, welcher Gartenstil der richtige für einen selbst ist? Wo suchen und finden wir Inspiration? Wie muss man gestrickt sein, um sich ungeachtet aller Trends einen eigenen Stil zu verschaffen? Habt ihr Gartenvorbilder? Sicher sind die besten Gärten jene, die einen untrüglichen, persönlichen Stempel tragen und uns zu überraschen vermögen. Vor kurzem stellte eine Dame die Frage, ob Sichtachsen wirklich notwendig sind. Ob es nicht besser sei, sich am Gelände und den Gegebenheiten zu orientieren? Wer hat eigentlich behauptet, dass Sichtachsen der heilige Gral der Gestaltung sind? Viel wird geschrieben, frech behauptet und einfach ohne Nachhaken akzeptiert. Russell Page sagt in „The Education of a gardener“, ein Garten brauche keine Aussicht, im Gegenteil, sie sei ein Nachteil und nicht wünschenswert, gefährde gar das Design. Ich widerspreche dem. Ein Garten, der schön ist und eine gute Aussicht geniesst, ist ein Juwel! (siehe Hanburys La Mortola) Aber vielleicht war Russell ebenfalls ein Modeopfer seiner Zeit? Ich würde mich freuen, wenn wir Gärtner es öfter wagen würden, Dinge und „Tatsachen“, Moden und eiserne Gesetze der Gartenwelt zu hinterfragen. Seid mutig, wild, ein bisschen verrückt und findet euren eigenen Weg durch den Dschungel – verwirklicht euch und kopiert nicht die anderen. Was ist dein Lieblingsgarten? Hast du jemals analysiert, warum er dich anspricht? Oder vice versa, warum ein anderer es nicht tut. Einer meiner liebsten Gärten ist Berchigranges  im Elsass/Frankreich. Ich mache mir oft Gedanken, was seinen Zauber ausmacht und komme immer wieder zum Schluss, dass es an seinem Genius loci und seiner Individualität liegt. Er ist lebendig, innovativ und meisterlich bepflanzt. Lasst eure Idee und Gedanken schweifen und sagt mir, was ihr denkt: Sind Gärten Modeopfer? Sind wir selbst Modeopfer? Kann man dem überhaupt aus dem Weg gehen? Ich meine, es ist eine Herausforderung, aber möglich, genauso wie das Schaffen eines Gartens eine Kunstform sein kann. Was wir anstreben und zu welchen Höhen wir uns aufschwingen, steht auf einem anderen Blatt.  Wenn ihr, wie ich, Lust an  munteren Diskussionen über die philosophische Seite des Gärtnerns habt, schaut auch bei Chloris vorbei, die vor einigen Tagen ein spannendes Thema aufgegriffen hat. Ich sitze bei herrlichstem Sonnenschein im Garten und hoffe, auch ihr habt ein sonniges Wochenende 🙂

Every year my favourite garden magazine provides me with a list of „must have“ plants. The only thing that conciliates me with this generous gesture is the fact that it is usually compiled by a true plantsman/woman, this year Dan Pearson whom I appreciate a lot and who knows his stuff.  The question is: Do I want a list telling me what I ought to buy? Isn’t it dead boring to find the same plants wherever you go? Already now we often stumble upon the same old acquaintances in other gardens – probably because gardeners were led to believe they must have them. (This doesn’t mean that it is not important to highlight good plants!) Same with garden styles: magazines tell us what’s hip and cool. Same for interior decoration by the way, where magazines pretend that our homes should look like sterile, WHITE operating theatres…but that’s another thing. Think of all the Japanese gardens that popped up like mushrooms and lead lives of quiet desperation in European gardens. A little after that people ripped out their perfectly good soil by the lorry loads to bring in gravel and sand by the lorry loads in the effort to create the gravel garden of their dreams. Sustainable – what’s that? Nowadays it’s Piet Oudolf up and down the country or countries rather. Don’t get me wrong! I like Piet’s planting style but do I really want to see it imitated all over the world? It may look ill at ease in a Mongolian courtyard or on Hawaii. My answer is no. I love individuality, a seriously threatened feature on the brink of extinction. I wonder whether it is possible to develop a distinct, personal style if we’re constantly exposed to this flood of must dos , must haves? How do you find out what kind of garden it is you want for yourself? Where do you look for and find inspiration? What are people made of that manage to develop their own style in spite of all the trends and influences? Do you have gardening heroes? It’s quite rare to find a garden that leaves you breathless and curious, no? Surely, the best gardens are those that are individual and able to surprise. The other day a lady asked: Is it really that important to have vistas in the garden? Is it not more important to consider the shape of the land and let this inspire your decisions? Who told us that vistas are the holy grail? Russell Page said in his acclaimed book  „The education of a gardener“ that a garden needed no good views (out into the landscape, that is), in the contrary, a view would be rather a downside and may even put the design at risk. Well, a lot of things have been written but it’s not all true, believe me. A garden that is beautiful AND has a good view is a gem (think Hanbury, La Mortola), so I kindly dissent with Mr. Page. Maybe he too was a fashion victim in his days… I’d like to see gardeners question trends, „facts“ and iron laws of the horticultural world. Be brave, wild, a little crazy and find your own way through the jungle – express yourself, don’t copy. What is your favourite garden? Did you ever analyze it to find out why it appeals to you? Or vice versa, why others don’t. One of my favourite gardens is Berchigranges in Alsace/France. I often ponder its attraction and it always boils down to its deep sense of place and individuality. It’s quirky, innovative and masterly planted. So let your thoughts run wild and tell me what you think: Are gardens fashion victims? Are we gardeners fashion victims? Can we avoid it at all? I think that as well as garden making has the potential to be an art form, we too have the potential to develop our own style. What we’re striving for and are capable of in the end is an entirely different matter. If you’re like me and enjoy a lively discussion about the philosophical side of gardening, do also pop over to Choris who sparked an interesting one a few days ago. I’m sitting in the sunshine in my garden right now and hope you’re having a sunny weekend too 🙂

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Im Herbst, wenn die Bäume bunte Blätter weinen und die farbige, pulsierende Lebendigkeit des Sommers hinter uns liegt, gehen die Gedanken auf Wanderschaft. Zeit für Reflektion und Kontemplation. Eine feuchtschwere Stille senkt sich über den Garten. Alle Arbeit ruht, wir dürfen uns zurücklehnen und schauen. Wenn ich Blumenzwiebeln vergrabe, und es werden jedes Jahr auf wundersame Weise mehr, frage ich mich immer, wieviele Frühlinge ich noch erleben werde. Nicht, weil ich trübsinnig bin, sondern weil ich an die Blumenzwiebeln denke, die mich mit solcher Freude erfüllen. Erst beim Pflanzen und dann in der knisternden Behaglichkeit meines Wohnzimmers, wenn ich mich -Sehnsucht im Blick- am bunten, duftenden Blütenmeer in meinem Kopf labe, das mich hinüberträgt über die Zeit, die ich am wenigsten lieben kann, obwohl auch sie ihren Zauber, ihre Schönheit hat. Es muss an den Zwiebelblumen liegen, die mich mit unsinniger Hoffnung und Übermut erfüllen. Der Ausdruck „sich freuen wie ein Kind“ liegt mir auf der Zunge, aber Kinder freuen sich nicht mehr wie früher. Wer sich morgens beim Müsli mit dem ersten Mord und ab September mit Jingle Bells und Plastik-Santas an Hauswänden konfrontiert sieht, entwickelt ein anderes Verhältnis zu echter Freude. Ich aber freue mich immer wieder wie toll an den kleinen Geheimnissen und Schätzen von Natur und Garten. Trotzdem hat die Frage etwas leicht Morbides, und ich stelle sie mir zu keiner anderen Jahreszeit. Wieviele Sommer und Herbste werde ich noch erleben?  Aber vielleicht setze ich deshalb jeden Herbst eine stets wachsende, unvernünftige Menge von diesen rästelhaften, vielversprechenden Zwiebeln und Knollen, weil ich möchte, dass mein Frühling mit zunehmendem Alter spektakulärer wird? Vor kurzem las ich einen Spruch von Henry David Thoreau, der mir nicht aus dem Sinn geht: Die Mehrzahl der Menschen führt ein Leben in stiller Verzweiflung. Thoreau sagte das im 19. Jahrhundert, aber es ist aktuell wie eh und je. Den Grund sehe ich in der zunehmenden Entfernung und Entfremdung des Menschen von der Natur, die im dramatischsten Fall soweit geht, dass er sie als Feind und Gefahr ansieht. Unberührte Natur ist ohnehin selten geworden, ist sie richtig wild, begegnet man ihr mit Misstrauen und Angst. Sehen und Hören sind seltene Fähigkeiten geworden. Wir werden berieselt und eingelullt und abgestumpft. Selbst die Nachrichten werden uns mit Percussions eingebläut, damit wir ja keine Sekunde zur Besinnung kommen und uns langweilen. Stille ist out. Eine Freundin erzählte mir, ihr kanadischer Besuch habe abends zur Schlafenszeit ein Band aufgelegt, das Geräusche wider gibt. Die Stille könne er nicht ertragen, und zum Schlafen bräuchte er einen konstanten Lärmpegel. Bei Cathy von http://wordsandherbs.wordpress.com/ gab es vor einigen Wochen einen interessanten Beitrag zu diesem Thema. Ich hoffe, sie wird den Link mit uns teilen, wenn sie das liest. Hören, und ich meine richtig Hören, ist für viele keine Selbstverständlichkeit mehr. Lauscht man in die vermeintliche Stille gibt es jedoch viel zu hören. Hast du es je versucht? Selten ist die Stille geworden, in der man meint, taub zu sein. Da, wo ich wohne, mitten im Wald, ist es oft so still. Wohltuend wie eine kuschelige Decke senkt sich diese Stille auf uns. Keine Angst, keine Panik, nur Frieden macht sich breit. Manche fragen uns kopfschüttelnd, wie wir hier leben können? Wir schütteln den Kopf, weil wir wissen, dass jede Erklärung ins Nichts fallen würde. Die allgemeine Hetze und Angst, etwas zu versäumen, haben so sehr um sich gegriffen, dass viele nicht mehr verstehen können, wie befriedigend es ist, den Holzkorb zu füllen, damit das Haus warm wird, Eier bei den Hühnern zu holen oder einen Gemüsegarten zu bestellen. Nichts zu hören und im Garten zu arbeiten ist der letzte Luxus unserer Zeit. Im Wald begegnen uns manchmal Extrem-Mountainbiker, die mit stierem Blick die steilsten Hänge hinunter sausen, oder Coole mit knatternden Geländemotorrädern, moderne Marlborough-Cowboys. Keiner von ihnen kennt die faszinierenden Gerüche und Geräusche des Waldes, sieht den rosa Pilz am Wegesrand, den Baumläufer, der  die Rinde nach Insekten absucht oder hört das melancholische Zwitschern des Rotkehlchens. Kinder wissen nicht mehr, dass die Milch von der Kuh kommt. Eine vegetarische Freundin meinte kürzlich, man könne doch die Kühe einfach weiter melken, das mit dem Kalb sei doch nicht nötig. Einmal beobachtete ich Kinder, die mit Stöcken frisch gepflanzte Obstbäume schlugen bis die Rinde in Fetzen hing, während die Mutter stolz zusah. Ist ja super, wenn sich die Kinder selbst verwirklichen können. Die Natur weicht immer mehr vor uns zurück und ist nurmehr dort zu finden, wo man schlecht hinkommt oder es nichts zum Ausbeuten gibt. Würden wir Menschen nach ihrer Definition von Natur fragen – was wäre wohl die Antwort? Ich fürchte mich vor dieser mehr als unsere Besucher sich vor der Einsamkeit meines Waldes. Wie soll man schützen, was nicht wahr genommen und geschätzt wird? Wenn sich der Mensch von der Natur entfernt, ist er entwurzelt, deprimiert und unglücklich. Ich könnte ohne Garten und Natur nicht sein. Meine Gesundheit hängt davon ab, ich ziehe Kraft, Mut und Sinn aus beidem. Manches geht schief im Garten, aber nie bin ich deswegen betrübt oder enttäuscht. Nichts erfüllt mich mehr mit Zuversicht und Hoffnung. Ein Leben in stiller Verzweiflung? Das ist für jemanden, der den Kontakt zu seinen Wurzeln nicht verloren hat, kein Thema. Ups, ein halber Aufsatz – hoffe, ich habe euch nicht gelangweilt! 😉

In autumn, when the trees cry colourful leaves and the vibrant spirit of summer is only a memory, thoughts go on a ramble. Time for reflection and contemplation. A damp, heavy quietness settles on the garden. The work is done, we can sit back and watch. When I plant bulbs in the autumn, and there seem to be more and more each year, I always wonder how many more springtimes I will live to see. I don’t ask as a result of depression (I’m not a child of sadness!), but because I think of these bulbs that fill me with such happiness. First when I’m planting then later, when in the comfort of my armchair in front of the fire -longing in my eyes- they fill my head with fields of colour and scent and carry me through the season which I never came to love, although it has its beauty too. It must be the bulbs that fill me with wantonness and unreasonable hope. The expression „to be happy like a child“ comes to my mind but kids are not happy and innocent like they used to be. If you’re faced with the first murder during breakfast and with Jingle Bells and plastic Santas climbing ridiculously into chimneys  from September onwards how could you possibly hold on to that pure and carefree joy? As for myself, I find lots of happiness in the little treasures and secrets nature and garden hold for me. All the same, there’s something morbid about this question, and I admit that I never ask myself at other times of the year. How many summers or autumns will I live to see? No way. But maybe the reason for planting these crazy amounts of promising bulbs and corms lies in my hidden wish that the older I get the more spectacular spring ought to be. Recently I read a quote by Henry David Thoreau which follows me ever since: The mass of men lead lives of quiet desperation. Thoreau said this in the 19th century but it is still true. The reason for this lies in the continuous remoteness and alienation from nature which in its most dramatic case leads to people perceiving nature as an enemy or danger. Pristine nature has become rare and if it’s really wild, we meet it with fear and suspicion. Seeing and hearing have also become rare skills. We’re constantly exposed to noise, being lulled and deadened. Even the news are hammered into us to the sound of percussions so that there’s no risk of us coming to our senses or to be bored. Tranquility is out. A friend of mine told me about a visitor from Canada who switched on a tape each night at bedtime: She couldn’t bear the quiet, only with the constant noise was she able to sleep. Cathy at http://wordsandherbs.wordpress.com/ did a great post dealing with the subject of hearing a while ago, and I hope she will share the link once she reads this. To hear and I mean TO HEAR is by no means taken for granted anymore. There’s so much to hear when you listen to supposed quiet. Have you ever tried? The silence that makes you feel like you’re deaf has become rare. Where I live, in the middle of the woods, it can still happen. It descends like a comfortable blanket. No fear, no panic just peace. Some shake their heads asking how can you possibly live here? We shake our heads knowing that every explanation would fall into nothingness. The general rush and fear of missing out on something are so widespread that many cannot understand how satisfying it is to fill the basket with firewood to heat the house, to collect eggs from your hens and to tend the garden. To hear nothing and to work in the garden are today’s last luxuries. During our hikes we sometimes meet extreme mountainbikers rushing down steep slopes with fierce expression, or cool guys on rattling motorbikes, modern Marlborough-Cowboys. None of them knows the intriguing scents and sounds of the forest, sees the pink mushroom in the undergrowth, the tree creeper searching the bark for insects or hears the melancholic song of the robin. Kids don’t know anymore that milk comes from cows. A vegetarian friend of mine suggested recently that one could keep milking cows without letting them have calves. Once I watched children beating newly planted fruit trees with sticks until the bark had come off while their mother watched them proudly. Great to see kids fullfilling themselves. Nature is retreating more and more and can only be found where access is hard or impossible or where there’s nothing to exploit. Would we ask men their definition of nature – what would the answer be? I fear the answer a lot more than visitors the solitude of my wood. Why should men protect something they’re not aware of and don’t see, never mind appreciate? When man moves away from nature,  he looses his roots, becomes depressed and unhappy. I could never be without my garden and nature, my sanity depends on them. I draw energy, courage and meaning out of them. Okay, some things don’t work out in the garden but I’m never disappointed and depressed. Still nothing fills me with more hope and optimism. A life of quiet desperation? That’ll never be an issue for someone who hasn’t lost touch with his/her roots. Ups, quite an essay…hope I haven’t bored you! 😉

Zum Abschied ein paar „Augenbonbons“ (danke an die Autorin Patricia Koelle http://meerschreibfrau.wordpress.com/ für diese Wortschöpfung, die seither zu meinem Repertoire zählt) – habt eine gute Woche!

As a farewell some „Augenbonbons“, translated something like „sweets for the eyes“ or „optical treats“ (thanks to writer Patricia Koelle http://meerschreibfrau.wordpress.com/ for this word creation, which is part of my repertoire ever since) – have a great week!

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The Big Garden and Croft

A small country living in the Outer Hebrides

ONCE MORE AROUND THE SUN

A photograph every day for a year

Stephen Studd Photography

Travel Gardens Plants

The World according to Dina

Notes on Seeing, Reading & Writing, Living & Loving in The North

Gartenstreifzug

Garten und Natur

Leselebenszeichen

Buchbesprechungen von Ulrike Sokul©

Jardins à l'Anglaise

Gardens in France... and elsewhere

Kampf den Kalorientierchen

Foodblog für gesunde Ernährung. Geschmackvolle & kalorienarme Rezepte zum Abnehmen. Teilweise vegetarisch & vegan.

Expressing my vision

A journey into creativity

All creatures great and small

een kijkje in de keuken van de natuur

Photofocus

education and inspiration for visual storytellers

Wayne Grundy's PhotoTech Blog

A blog about digital photography techniques and technology

Hopeful Traveller

Moving in many directions, sometimes quite slowly, but always with a camera. www.anniegaphotography.co.uk

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