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„Ach du meine Güte, was ist denn mit deiner prächtigen „Paul’s Himalayan Musk“ passiert?“, fragte ich meine Freundin Claudine entsetzt. Sie hatte mich zum Kaffee eingeladen, und zuvor drehten wir wie immer eine Runde in ihrem Garten. Aber nein, es war nicht nur dieser Rambler, auch die bezaubernde Clematis montana und der Sternjasmin sahen aus, als hätte ihnen ein Orkan übel zugesetzt. Aber welcher Orkan? Ich wohne schliesslich nicht weit von ihr. Meine Freundin verdrehte gequält die Augen in Richtung Gatte Roland, der gerade die Buchskugeln frisierte und uns fröhlich zuwinkte. „Das verzeihe ich ihm nie!“ sagte sie im Brustton der Überzeugung. Sie war beruflich unterwegs und strich nach ihrer Heimkehr abends mit einem Glas Wein durch den Garten, um sich zu entspannen. Roland hatte ihr zur Begrüssung mitgeteilt, er habe -in ihrer Abwesenheit- wie ein Wilder im Garten geschuftet, um der Wildnis Herr zu werden. Naja, nur ein Schwächeanfall ihrerseits habe Schlimmeres verhindert… Während ich meinen Kaffee trank, ihr Mut zusprach und Trost spendete, lächelte ich innerlich ein wenig selbstgefällig, denn sicher konnte mir so etwas nicht passieren, oder? Vor einigen Tagen ging ich harmlos in die Stadt, um Einkäufe zu erledigen. Monsieur hatte die Aufgabe, den wilden Wein hinter dem Haus zu beschneiden. Nur das, nichts sonst. Als ich ebenso ahnungslos heimkehrte, stellte sich heraus, dass er die nächsten beiden Hausecken auch noch umrundet hatte, um meiner geliebten Brenda Colvin und dem Geissblatt zuleibe zu rücken. Ich fühlte förmlich, wie die Haare auf meinen Zähnen wuchsen! Unglaublich, wie viel Schaden Mann in kurzer Zeit anrichten kann. Das Geissblatt kann ich noch verschmerzen, aber Brenda sah aus wie nach einer Begegnung mit Jack the Ripper. Männer und Frauen unterscheiden sich. Das ist uns allen klar. Abgesehen von den offensichtlichen Merkmalen, gibt es jedoch unterschwellige Strömungen, die ab und zu hervorbrechen und Verwüstung anrichten. Während ich als romantischer Freigeist liebliche Rosenranken begrüsse und verzückt die Katzenminze bestaune, die die Treppe belagert und das Durchkommen erschwert, klagt mein Göttergatte über Cornea-Verletzungen und verheddert sich auf der Suche nach seiner Machete in der Waldrebe. Warum können Männer über verkratzte Arme nicht so grosszügig hinwegblicken wie Frauen? Ich bin nämlich kein Einzelfall! Solche Geschichten höre ich immer wieder. Ist es der maskuline Wunsch, alles zu bezähmen? Früher legte man sich ein Löwenfell vor’s Bett, heute bändigt man in Abwesenheit der Liebsten (bei der die Bändigung eh versagt hat) die Kletterrose. Die Manie, im Garten alles zu beschneiden, ist der krasseste Unterschied zwischen Mann und Frau. Das unterschreibe ich hier und jetzt und schwöre, dass ich nächstes Mal den Geräteschuppen abschliesse, wenn ich weg muss! Nun bin ich gespannt auf eure Erfahrungsberichte…   😉

„Oh dear, what has happened to your gorgeous „Paul’s Himalayan Musk“?“ I asked my friend Claudine in horror. She had invited me over for coffee and as usual, we went for a ramble in her garden. But no, it was not only the rambler, the beautiful Clematis montana and Trachelospermum also looked as if a hurricane had passed over them. But which hurricane? I don’t live far from her. My friend rolled her eyes in the direction of husband Roland who was in the process of clipping the box balls, waving cheerfully when he noticed us . „I shall never forgive him!“ said Claudine with utter conviction. She had been away on business and -on her return- went for a leisurely stroll through the garden, glass of wine in her hand. Roland had told her something like „been working all day in the garden like a lunatic…got in control of the wilderness“. Well, it was only a sudden feeling of faintness (on her side!) that prevented disaster…While I sipped my coffee and tried my best to comfort her, I smiled inwardly and rather smuggly, I admit, to myself, because this certainly could never happen to me, or could it? A few days ago I went innocently to town to do some shopping. Monsieur stayed at home and was supposed to cut back the Virginia creeper at the back of the house. Just that, nothing else. When I came back as innocently as I had left, it turned out that he chose to wander around the house and clip a few other bits as well „while I was at it“. Poor Brenda Colvin and a honeysuckle were in his path and believe me, I felt the hairs growing on my teeth! Unbelievable how much damage a man can do in such a short time. I can sort of cope with the honeysuckle but Brenda definitely looks like she met Jack the Ripper. Men and women are different. We all know that. But apart from the obvious there are also subliminal currents that sometimes brake out causing havoc. While I as a romantic free spirit embrace sweet rose boughs and think catmint looks rather ravishing draped on our steps, my darling husband complains about cornea injuries and gets entangled in the clematis during his search for a machete. Why can’t men tolerate scratches on their arms as generously as we do? Believe me, I’m not the only one. Women constantly tell me about it. Is it the male wish to subdue and control? Our ancestors put lion skins in front of their beds, nowadays you just tame the climbing rose while your beloved wife (who could never be tamed successfully anyway) is gone. Is that it? The obsession to hack everything in the garden back is undeniably the most blatant difference between man and woman. I sign this here and now and swear that I shall lock the tool shed before I go away again!  Now I’m looking forward to your own experiences… 😉

54 thoughts

    1. Meiner gehört eben gar nicht in diese Kategorie, Detlef: Er mag keinen Rasen und Topiary ist ihm ein Graus, aber in den Weg lehnen sollte tunlichst niemand. PS: Keine Sorge, ein Prinz reicht 😉

  1. Haha… naja, ich glaube mein Göttergatte hat nun auch ein paar Blümchen für immer in die ewigen Jagdgründe verfrachtet. Anstatt sie einfach abzuschneiden (damit ich den Zaun streichen konnte) hat er sie am Ende brutal ausgerissen und sicher ein paar Wurzeln auch erwischt. Naja, wir werden sehen, was nächstes Jahr noch kommt.
    Ich fühle mit dir! 😉

  2. Du ahnst nicht, wie passend dein Beitrag kommt, liebe Annette. Ich habe S. eben in einem Anfall fast ohnmächtigen Zorns empfohlen, doch gemeinsam mit seiner Mutter eine Klugscheißer-Gruppe bei FB zu gründen. Oder sonstwo. Oder sich ein Hobby zu suchen. Ein ANDERES Hobby als das, in MEINEM Garten Hand an zu legen. Und genau das war auch Auslöser des Streits. Wann immer mein Mann eine Minute Leerlauf (oder Urlaub wie aktuell) hat, fuhrwerkt er plan- und sinnlos im Garten. Bevorzugt mit schwerem Gerät das so viel Lärm macht, dass er meine Schreie des Entsetzens nicht hören kann. Hört er sie, tut er so, als höre er sie nicht.
    Jetzt fährt er durch die Landschaft, um meinem Zorn zu entkommen und ich überlege, strategisch günstige Stellen da draußen unter Strom zu setzen. Damit’s bei der nächsten Attacke GEGEN MEINEN Garten ordentlich funkt unter seinem Spaten.
    Ich hab im Augenblick zu viel Temperament, um es so liebe- und humorvoll zu formulieren wie du. Sobald sich mein Blut abgekühlt hat, sehe ich es auch wieder in Art zärtlich liebevoller Verzweiflung. Und beste Grüße an Claudine ❤

    1. Du bist ja echt in Form, liebe Heike! Monsieur und ich mussten so lachen. Hoffe, es ist wieder Frieden ins Heim eingekehrt. Würdest du nur endlich ein Buch schreiben – so gern würde ich mehr in dieser Art lesen 🙂

  3. You are absolutely right Annette…. must be something in the genes. Fortunately my man of many talents has only once chopped something back he wasn’t supposed to… a Forsythia just about to flower. Not too tragic though as I brought all the branches in and the house was full of flowers a week later! 🙂

  4. Oh, wie wahr – ein fleissiger Mann hat es sogar mal geschafft, Steine auf einer liebevoll gepflegten, auf 60 Zentimeter hochgewachsenen, wunderbaren Pimpinelle-Pflanze mit in dem Jahr erstmals und auffällig schöner Blüte aufzuschichten. Die sei ihm nicht aufgefallen, ob ich mir sicher sei, dass die an der Stelle gewesen sei …? Ohne Worte!

  5. Liebe Annette,
    große Worte gelassen ausgesprochen – und wie wahr! Ich rate schon seit langem, die Scheren und Motorsägen vor Männern zu verstecken. Unbeaufsichtigt geht gar nicht – unter Aufsicht nur bei sehr robuster Tagesform der dazugehörigen Dame …

    Ich kenne viele, sehr viele Gärtner – alle meinen schneiden zu können – einer – 1 er! – kann´s wirklich… und sogar besser als ich. Die berühmte Ausnahme von der Regel.
    Viele Grüße von Renate

    1. Liebe Renate, mit etwas Abstand kann man die Dinge wieder mit Humor sehen. Ich bin (eben) nicht so ein Beschneider, vielleicht ruft das manchmal extreme Reaktionen hervor 😉

  6. your are quite right, it is a man thing! to lose the natural form of a plant and make round blobs of every shrub in sight.not just husbands but people who call themselves gardeners are also guilty

  7. Liebe Annette, da hast du ins Schwarze getroffen, wir könnten wohl Bücher füllen, mit dem was unsere „Liebsten“ im Garten anrichten können, wenn man nicht daneben steht. Meiner hat in seiner gründlichen Art eine alte Blautanne, die am Reitplatz als Begrenzung zum Nachbarn stand restlos abgeholzt, Auftrag war: er sollte das Gestrüpp entfernen, Hopfen,wilde Rosen kleine Eichen, er nimmt den großen Baum, ich hätte ihn ……, seitdem schaue ich öfters vorbei, wenn er im garten tätig ist, um Schlimmeres zu verhüten. lg Marlies

  8. Oh dear, oh dear……. Much as the Golfer ‚complains‘ about overhanging greenery that only people under 5 feet tall can walk under he wouldn’t dare cut without permission – but he will happily cut trees and hedges when it is suggested they need doing…

  9. Liebe Annette,
    ich kann mir Monsieur zwar kaum als Gartenwüterich vorstellen! Er wollte doch nur Ordnung schaffen! (Irgendwer muß doch auch mal eine Lanze für den armen Gescholtenen brechen!) Da wir selber aber keine Gartenbesitzer sind, ist meine Meinung auch nur ein Versuch der „Versöhnung“ zwischen den Geschlechtern!

  10. Thank goodness I have no husband!
    I had a conversation with my neighbour on the very same subject the other day. I feel for her, she never has flowers on her Choisya, Viburnum, Philadelphus, Weigela and Hydrangea (to name a few) because her OH has this constant urge to clip. I’ve told her on many occasions to hide tools but she never does and he never listens when she asks him not too!

  11. I just got off a ladder, cleaning up the well spent blossoms of a vitex. I poked my hand on a branch stub in the process, bled profusely, and have applied a proper bandage. All we need is clear direction and close attention.

    1. I hope you’re feeling better now, John, gardening can be so dangerous. Wonder whether you’re a keen clipper and do you have someone to give you a clear direction? 😉

  12. I’m sure I’m alright with „Mr. Chef“! (She says hopefully!). It’s my stepdad I have to hide the secateurs from. Nothing must overhang the lawn or overshadow its neighbour. Mum and I have such trouble with him! That takes me on to lawns. Isn’t that a „man thing“ as well? Stripes, no bare patches and definitely no weeds – not even daisies! Bless him! So that’s partly why I included box balls in their garden design – to hopefully satisfy his itchy shears! That may be the answer!

    1. It’s the overhanging bit that worries Monsieur, Ali – he doesn’t like lawns and even suggested to have a moss-only-lawn when we lived in Ireland! Box balls and other topiary are a horror for him.

  13. It‘ s definitely a ‚ man thing‘ this need for control. I don‘ t have that problem though. My man wouldn‘ t dream of cutting anything back or doing anything in the garden unless I beg him for help. If he does help in any way he will trample all over my plants. I‘ d rather keep him out of the garden because he leaves devastation and broken stems in his wake. He doesn’t understand that these things are precious.
    Still he is a wonderful cook. You can‘ t have everything. And the last thing I want in a husband is horticultural opinions. This garden isn‘ t big enough for 2 people with opinions.

    1. Hi Chloris, I’m responsible for all the planting design etc. so can’t complain. It’s just that nothing should hang in his path…and he’s a great cook too 🙂

  14. Oh you are so right. I must be a universal man thing at that!!! I always dread it when my husband goes out in the yard with any kind of sharp instrument. It is maddening indeed. Blessings, Natalie 🙂

  15. Wonderful post Annette! Made me laugh. Hubby can be ruthless with trees he doesn’t like .. but in saying that, I’m the one that gets stuck in with the secatuers, only the olives and fruit trees mind you. I can’t wait for our garden to come alive as it will soon. 🙂 Yes lock that shed!!

  16. Ha, I do like my string trimmer and hedge clippers, but I don’t think of it as control just more so a lot of guidance 🙂
    Have a great weekend, you made me laugh!

  17. I must protest! I think my garden attests to my romantic tendencies. Aside from a need to stake things, I am quite happy with plants roaming happy and free. The main difference between me and my spouse is my desire for change versus her innate conservatism.

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