Languedoc

Jedes Jahr stattet mich mein liebstes Gartenmagazin mit einer Liste von „must have“ Pflanzen aus. Das Einzige, was mich mit dieser grosszügigen Geste versöhnt, ist die Tatsache, dass diese meist von einem echten Pflanzenkenner -dieses Jahr Dan Pearson, den ich sehr schätze- zusammengestellt wird. Die Frage ist: Möchte ich eine Liste haben, die mir sagt, welche Pflanzen ich zu kaufen habe? Ist es nicht totlangweilig, wenn man überall auf das gleiche Grünzeug trifft? Bereits jetzt stösst man in Gärten immer wieder auf alte Bekannte – wahrscheinlich gerade weil Gärtner glauben, sie unbedingt haben zu müssen. (Das heisst nicht, dass es nicht wichtig ist, gute Pflanzen zu erwähnen und vorzustellen!) Dasselbe trifft auf Gartenstile zu: Magazine sagen uns, was angesagt und cool ist. Übrigens auch Wohnmagazine, die uns seit Jahren vorgaukeln, unser Zuhause müsste einem sterilen, WEISSEN OP ähneln…aber das ist ein anderes Thema. Denkt an all die Japangärten, die gleich Champignons aus dem Boden schossen und sich nun unbehaglich in euopäischen Vorgärten winden. Später liessen die Leute den besten Mutterboden tonnenweise abtransportieren, um den Boden abzumagern und tonnenweise Kies ankarren zu lassen, weil sie einen Kiesgarten haben wollten. Nachhaltigkeit – was ist das? Jetzt heisst’s Piet Oudolf landauf, landab. Versteht mich nicht falsch – ich mag Piets Pflanzstil, aber möchte ich ihn wirklich in jedem Garten des Planeten kopiert sehen? Er ist in einem mongolischen Innenhof oder auf Hawaii vielleicht etwas fehl am Platz. Meine Antwort ist nein. Ich liebe individuelle, innovate Konzepte, fürchte jedoch, Individualität ist vom Austerben bedroht. Ich frage mich, ist es überhaupt möglich, einen persönlichen Stil zu entwickeln, wenn man ständig einer Flut von „tun und haben müssen“ ausgesetzt ist? Wie findet man heraus, welcher Gartenstil der richtige für einen selbst ist? Wo suchen und finden wir Inspiration? Wie muss man gestrickt sein, um sich ungeachtet aller Trends einen eigenen Stil zu verschaffen? Habt ihr Gartenvorbilder? Sicher sind die besten Gärten jene, die einen untrüglichen, persönlichen Stempel tragen und uns zu überraschen vermögen. Vor kurzem stellte eine Dame die Frage, ob Sichtachsen wirklich notwendig sind. Ob es nicht besser sei, sich am Gelände und den Gegebenheiten zu orientieren? Wer hat eigentlich behauptet, dass Sichtachsen der heilige Gral der Gestaltung sind? Viel wird geschrieben, frech behauptet und einfach ohne Nachhaken akzeptiert. Russell Page sagt in „The Education of a gardener“, ein Garten brauche keine Aussicht, im Gegenteil, sie sei ein Nachteil und nicht wünschenswert, gefährde gar das Design. Ich widerspreche dem. Ein Garten, der schön ist und eine gute Aussicht geniesst, ist ein Juwel! (siehe Hanburys La Mortola) Aber vielleicht war Russell ebenfalls ein Modeopfer seiner Zeit? Ich würde mich freuen, wenn wir Gärtner es öfter wagen würden, Dinge und „Tatsachen“, Moden und eiserne Gesetze der Gartenwelt zu hinterfragen. Seid mutig, wild, ein bisschen verrückt und findet euren eigenen Weg durch den Dschungel – verwirklicht euch und kopiert nicht die anderen. Was ist dein Lieblingsgarten? Hast du jemals analysiert, warum er dich anspricht? Oder vice versa, warum ein anderer es nicht tut. Einer meiner liebsten Gärten ist Berchigranges  im Elsass/Frankreich. Ich mache mir oft Gedanken, was seinen Zauber ausmacht und komme immer wieder zum Schluss, dass es an seinem Genius loci und seiner Individualität liegt. Er ist lebendig, innovativ und meisterlich bepflanzt. Lasst eure Idee und Gedanken schweifen und sagt mir, was ihr denkt: Sind Gärten Modeopfer? Sind wir selbst Modeopfer? Kann man dem überhaupt aus dem Weg gehen? Ich meine, es ist eine Herausforderung, aber möglich, genauso wie das Schaffen eines Gartens eine Kunstform sein kann. Was wir anstreben und zu welchen Höhen wir uns aufschwingen, steht auf einem anderen Blatt.  Wenn ihr, wie ich, Lust an  munteren Diskussionen über die philosophische Seite des Gärtnerns habt, schaut auch bei Chloris vorbei, die vor einigen Tagen ein spannendes Thema aufgegriffen hat. Ich sitze bei herrlichstem Sonnenschein im Garten und hoffe, auch ihr habt ein sonniges Wochenende 🙂

Every year my favourite garden magazine provides me with a list of „must have“ plants. The only thing that conciliates me with this generous gesture is the fact that it is usually compiled by a true plantsman/woman, this year Dan Pearson whom I appreciate a lot and who knows his stuff.  The question is: Do I want a list telling me what I ought to buy? Isn’t it dead boring to find the same plants wherever you go? Already now we often stumble upon the same old acquaintances in other gardens – probably because gardeners were led to believe they must have them. (This doesn’t mean that it is not important to highlight good plants!) Same with garden styles: magazines tell us what’s hip and cool. Same for interior decoration by the way, where magazines pretend that our homes should look like sterile, WHITE operating theatres…but that’s another thing. Think of all the Japanese gardens that popped up like mushrooms and lead lives of quiet desperation in European gardens. A little after that people ripped out their perfectly good soil by the lorry loads to bring in gravel and sand by the lorry loads in the effort to create the gravel garden of their dreams. Sustainable – what’s that? Nowadays it’s Piet Oudolf up and down the country or countries rather. Don’t get me wrong! I like Piet’s planting style but do I really want to see it imitated all over the world? It may look ill at ease in a Mongolian courtyard or on Hawaii. My answer is no. I love individuality, a seriously threatened feature on the brink of extinction. I wonder whether it is possible to develop a distinct, personal style if we’re constantly exposed to this flood of must dos , must haves? How do you find out what kind of garden it is you want for yourself? Where do you look for and find inspiration? What are people made of that manage to develop their own style in spite of all the trends and influences? Do you have gardening heroes? It’s quite rare to find a garden that leaves you breathless and curious, no? Surely, the best gardens are those that are individual and able to surprise. The other day a lady asked: Is it really that important to have vistas in the garden? Is it not more important to consider the shape of the land and let this inspire your decisions? Who told us that vistas are the holy grail? Russell Page said in his acclaimed book  „The education of a gardener“ that a garden needed no good views (out into the landscape, that is), in the contrary, a view would be rather a downside and may even put the design at risk. Well, a lot of things have been written but it’s not all true, believe me. A garden that is beautiful AND has a good view is a gem (think Hanbury, La Mortola), so I kindly dissent with Mr. Page. Maybe he too was a fashion victim in his days… I’d like to see gardeners question trends, „facts“ and iron laws of the horticultural world. Be brave, wild, a little crazy and find your own way through the jungle – express yourself, don’t copy. What is your favourite garden? Did you ever analyze it to find out why it appeals to you? Or vice versa, why others don’t. One of my favourite gardens is Berchigranges in Alsace/France. I often ponder its attraction and it always boils down to its deep sense of place and individuality. It’s quirky, innovative and masterly planted. So let your thoughts run wild and tell me what you think: Are gardens fashion victims? Are we gardeners fashion victims? Can we avoid it at all? I think that as well as garden making has the potential to be an art form, we too have the potential to develop our own style. What we’re striving for and are capable of in the end is an entirely different matter. If you’re like me and enjoy a lively discussion about the philosophical side of gardening, do also pop over to Choris who sparked an interesting one a few days ago. I’m sitting in the sunshine in my garden right now and hope you’re having a sunny weekend too 🙂